Frühlingshafte Melodik, brodelnder Sound und solistische Glanzlichter – Trachtenkapelle Waldulm ehrte sieben Musikerjubilare PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Berthold Gallinat   
Sonntag, den 11. April 2010 um 00:00 Uhr

Kappelrodeck-Waldulm (gat) Mit einem imposanten Konzert begeisterten die Trachtenkapelle Waldulm sowie die Jugendkapelle Kappelrodeck-Waldulm-Mösbach am Samstagabend ihr Publikum in der Pfarrberghalle und erwiesen auf ihrem Frühjahrskonzert mit verschiedenen Titeln der traditionellen Blasmusik auch dem Frühling alle Ehre. Insgesamt war es aber ein Konzert, das weit gefächert war und sich von Melodien aus Oper und Operette über Pop, Soul und Jazz bis zum Folk aus dem kaukasischen Kulturkreis spannte. Im Rahmen der Konzertveranstaltung ehrte der Präsident des Acher-Renchtal-Musikverbandes Klaus-Peter Mungenast zusammen mit dem Vorsitzenden Mario Braun sieben verdiente Musiker der Trachtenkapelle.

Die Jugendkapelle Kappelrodeck-Waldulm-Mösbach unter der Leitung ihrer Dirigentin Kathrin Flynn-Hartmann eröffnete mit den Vorträgen „Ascentium“, „Movie Adventures“, „Evil Ways“ und „Alamo“ das Konzert. Differenziertes Spiel der Register der Jugendkapelle, eine beachtliche Klangfülle und die Fähigkeit zur dramatischen Gestaltung in ihren Musikbeiträgen unterstrichen, dass man sich in den drei Musikkapellen, aus denen der Nachwuchs kommt, auf engagierte Jungmusiker freuen darf, die bei Kathrin Flynn-Hartmann unter einer ebenfalls engagierten und kompetenten Leitung stehen.

 

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Stolze Musikerjubiläen von 25, 50 und 55 Jahren fanden ihre Anerkennung beim Frühjahrskonzert der Trachtenkapelle
Waldulm. Von links: Acher-Renchtal-Musikverbandspräsident Klaus-Peter Mungenast, Vorsitzender Mario Braun,
Karl Hodapp (55 Jahre), Joachim Hodapp (25 Jahre), Franz Künstel (50 Jahre), Jürgen Lamm (25 Jahre),
Josef Maier (50 Jahre), Stefan Hoog (25 Jahre), Franz Köninger (25 Jahre)

Temperamentvoll und mit großer musikalischer Geste eröffnete die Trachtenkapelle unter Leitung von Wolfgang Graf ihr Frühjahrskonzert und demonstrierte gleich zu Beginn ihre Qualitäten, angefangen von einer vibrierenden und pulsierenden Tongebung über sauber gesetzte Spitzen und eine tatkräftige Percussion bis zum majestätisch harmonischen Fluss weichen Hörnerklangs. Der Carmen-Marsch aus Georges Bizets Oper war eine grandiose und passende  Geste zum Auftakt. In reizvollem Gegensatz dazu stand im Anschluss daran das verspielte und leichte Robert-Stolz-Tanzpotpourri „Die ganze Welt ist Himmelblau“ mit seinen operettenhaften Klangfarben im wiegenden Dreivierteltakt und forschen Marschrhythmus, das mit der Liebeserklärung „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n“ ausklang. Die Polka „Schöne Pragerin“ schloss den ersten Teil des Konzerts ab und war Hommage an die geehrten Musiker der Trachtenkapelle.

Bewundernswerte solistische Leistungen prägten den zweiten Teil des Konzerts, in dem das Genre zu Pop, Soul und Jazz wechselte. Er begann mit dem Weltsong „Heal The World“ des Pop-Idols Michael Jackson und reichte bis zum Welthit „Petite Fleur“ von Sidney Bechet. Daniel Graf (Posaune), Jessica Köninger (Saxophon) und Joachim Fischer (Klarinette) setzten in den Vorträgen „Changing Moods“, „The Last Farewell“ und „Petite Fleur“ großartige Glanzlichter und überzeugten durch ihre einfühlsamen Solis. Nicht zu vergessen sei im letzten, wiederum volkstümlichen Teil des Frühjahrskonzertes, Jonas Schmälzle bei „Erinnerungen an Zirkus Renz“ mit seinem musikalischen Parforceritt am Xylophon, auf den nach rauschendem Beifall spontan die Zugabe folgte. Mit brodelndem Sound, zerfetzt von gewaltigen Bläser-Breaks und gegründet auf explosivem Beat, brachte die Trachtenkapelle „Soul Bossa Nova“ zur Geltung.

Der Schlussteil des Konzertes ging bis auf den letzten Beitrag in ruhige musikalische Gefilde der traditionellen Blasmusik zurück, beim Vortrag „Blumenmädchen“ präsentierte sich erstmals in der Waldulmer Trachtenkapelle eine Sängerin. Im Duett mit Gebhard Fischer leistete Mirjana Weber den gesanglichen Part zu diesem Vortrag. Noch einmal volle Konzentration erforderte das Schlussstück, der „Säbeltanz“ aus dem Ballett Gajaneh. In furioser Manier bei gleichzeitig sauberer Differenziertheit der Register bewältigten die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung ihres Dirigenten diesen abschließenden Galopp. Großer und anhaltender Beifall war der Lohn für das abwechslungsreiche Konzert, in dem Dirigent Wolfgang Graf seinen Musikerinnen und Musikern einerseits vertrauensvoll spielerische Freiheit gab, andrerseits aber pointiert die Nuancen bestimmte.

Insgesamt 255 Musikerjahre ehrten der Musikverband und der Verein im Rahmen des Konzertes. Vorsitzender Mario Braun hielt die Laudatio auf vier Musiker mit je 25 Jahren Musikerlaufbahn, auf zwei mit 50 Jahren und auf einen mit 55 Jahren. Der Verbandspräsident des Acher-Renchtal-Musikverbandes Klaus-Peter Mungenast überreichte die Verbands-Ehrennadeln und -Ehrenurkunden. Franz Köninger (Flügelhorn), Stefan Hoog (Trompete), Jürgen Lamm (Bariton) und Joachim Hodapp (Tenorhorn) wurden für 25 Jahre geehrt. Mario Braun stellte ihre besonderen Fähigkeiten und Verdienste heraus, angefangen vom musikalischen Alleinunterhalter (Franz Köninger) über die Verantwortung als Instrumenten- und Kleiderwart (Stefan Hoog) bis zur Kassierertätigkeit in Trachtenkapelle und Förderverein (Jürgen Lamm, Joachim Hodapp). Als Vorbild in Punkto Zuverlässigkeit bezeichnete er Josef Maier, dem Verbandspräsident Klaus-Peter Mungenast für 50 Jahre Musikeraktivität die Ehrenurkunde und die Goldene Ehrennadel des Bundes der Deutschen Blasmusikverbände überreichte. 26 Jahre wirkte Josef Maier als Vizedirigent der Kapelle. Die andere Ehrung dieser Art erhielt Franz Künstel, das musikalische Allroundtalent und der großartige Humorist in der Kapelle. Klaus-Peter Mungenast bezeichnete die Geehrten als strahlende Vorbilder der Blasmusik und hob zu Franz Künstel heraus, dass er mit seinen „Original Waldulmer Musikanten“ auch Musikgeschichte in Baden geschrieben habe. Vereinsintern wurde der ehemalige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende Karl Hodapp für 55 Jahre Musikeraktivität geehrt und zu guter Letzt erhielt auch Gebhard Fischer für 25 Jahre Moderation der Konzerte ein dickes Lob und ein Weinpräsent.

 

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