Kappelrodeck-Wadulm (gat). Die modernisierte und gerade wiedereröffnete Pfarrberghalle hat am Wochenende ihre Festtaufe bestanden, die Trachtenkapelle Waldulm veranstaltete dort am Samstag und Sonntag zusammen mit Kirchenchor und Landjugend zum 42. Mal ihr traditionelles Weinfest. „Vor sechs Wochen hätte ich angesichts der Corona-Warnungen noch nicht gedacht, dass wir das Weinfest der Trachtenkapelle feiern können“, meinte Ortsvorsteher Johannes Börsig in seiner Ansage zur Eröffnung, „umso mehr freue ich mich, dass wir jetzt hier sind und feiern.“ Er dankte den Vereinen für ihr Engagement und den Sponsoren für ihre Unterstützung und wünschte den Festbesuchern viel Spaß und beste Unterhaltung.
Diese übernahm am Samstagabend die bayrische Band „Rotzlöffl“ und wenn die badischen Festbesucher bis dahin noch keine Vorstellung davon hatten, was „boarisch rocken“ heißt, nach dem furiosen Auftritt der vier bayrischen Burschen wussten sie es. Frontmann Christoph stellte die Band zu Beginn gleich zünftig vor: „Das ist der Trommelrotzlöffl Sandro, das der Gitarrenrotzlöffl David, das der Bassrotzlöffl Andi und ich bin der Quetschenrotzlöffl Christoph.“ Und dann ging die Post ab, aber wie. Vom ersten Akkord an legten sich die vier Rotzlöffl voll ins Zeug und gönnten ihrem Publikum zwischen ihren Vorträgen keine Pause. Übergangslos ging es mit Riesenmusikpower querbeet durch die Genres Volksmusik und Alpenrock, Schlager und Pop. Die vier „Rotzlöffl“ sangen „Hulapalu“ und „Dem Land Tirol die Treue“, „Sweet Caroline“ und „Neunundneunzig Luftballons“ und vieles mehr und hatten kein Problem die „Rosamunde“ übergangslos in „Über sieben Brücken musst du gehen“ münden zu lassen. Dabei inszenierten sie mit guten Einfällen immer wieder spaßige Gags und entfachten eine tolle Gaudi. So war es kein Wunder, dass sie das Publikum im Nu auf ihrer Seite hatten und schon bald folgte es willig und begeistert jeder Gesangs- oder Bewegungsaufforderung der vier „Rotzlöffl“, gleich ob es hieß, einen Refrain zurück auf die Bühne zu schmettern, die Hände zum Himmel zu recken oder auf die Knie zu gehen. Dazwischen erklang der gesangliche Hilferuf „Maria bring mir a Bier“ und dafür gab’s als Bekenntnis den Dank „Frisch verliebt in die gute alte Frau Bauhöfer.“ Bestens zum Weinfest der Trachtenkapelle passend wurde Udo Jürgens Lied „Griechischer Wein“ angestimmt, aber statt „griechischer Wein“ erklang selbstverständlich „Waldulmer Wein“. Der „Rotzlöffl“ Bene im Hintergrund setzte das Bühnengeschehen ins beste Licht und sorgte dafür, dass der Auftritt der Vier auf der Bühne eine tolle Show wurde, und „Rotzlöffl“ Klaus mischte das Ganze professionell und super ab. Musikalisch wie gesanglich waren die Vier bestens drauf. David präsentierte zwischendurch fetzige, rockige Riffs, Sandro schlug einen harten Beat, Christoph zeigte nicht nur an der „Quetsch“, sondern auch am Keyboard, was er drauf hatte, und Andi zog schwere Bassfurchen. Auf diese Weise wurde die Pfarrberghalle am Samstagabend in der Tat wild „boarisch gerockt“ und es tanzten und jubelten, sangen, klatschten und prosteten die Festbesucher ausgelassen und in bester Laune bis kurz nach 12 in die Nacht hinein.
Dagegen ging es am Festsonntag richtig gemütlich zu, obwohl die vier Kapellen, die über den Tag hinweg das Festgeschehen musikalisch gestalteten, auch vielseitige Musiktitel von traditionell bis modern darboten. Den Anfang machte der Musikverein Schwarzach mit einem Frühschoppenkonzert, ihm folgten am Nachmittag der „Waldulmer Talentschuppen“ und die „Musique Folklorique de Balbronn“. Den Schlussakkord unter ein gelungenes Fest setzte am Abend die Trachtenkapelle Stadelhofen und ließ bei den Veranstaltern hochzufriedene Gesichter zurück.