Geschichte

Vereinschronik von 1866 bis 2016 des Musikvereins "Harmonie" Waldulm - Trachtenkapelle Waldulm -

Eine Rückblende von Anne-Kathrin und Johannes Börsig.

Teile der Abhandlung entstammen den von Otto Schmidt und Wilhelm Bohnert verfassten Chroniken, die in den Festschriften von 1956, 1976 und 1991 abgedruckt sind. Die Bearbeitung der Vereinschronik von 1991 erfolgte durch Gebhard Fischer.

Wenn auch Protokolle gänzlich fehlen, so gilt doch als sicher, dass die Gründung des Musikvereins Waldulm im Jahre 1866 erfolgte. Es existiert die eidesstattliche Versicherung eines Ortsbürgers aus dem Jahre 1937, der als Junge mit 14 Jahren den Zusammenschluss selbst miterlebte und dessen Bruder Gründungsmitglied war. Wie weiter in der vor 60 Jahren zum 90-jährigen Jubiläum der Blaskapelle verfassten Chronik zu lesen steht, schloss sich eben im Jahre 1866 eine bescheidene Schar von acht Einzelmusikern zu einer Gruppe zusammen und schuf unter Führung des Kronenwirts Karl Huber erstmals im Ort einen Musikverein. Der Chronist bezog seine Kenntnisse über Entstehung und Anfangsjahre der Kapelle, wie er vermerkt, in erster Linie von einem seinerzeit noch lebenden Sohn des Gründungsinitiators. Neben Karl Huber gehörten noch Ludwig Hirth, Bernhard Heitzmann, Leander Hodapp, Josef Jülg, Roman Pfeifer, Philipp Hodapp und Fabian Wurch zur Mannschaft der ersten Stunde.

Diese Männer waren wirkliche Idealisten im Dienste der Blasmusik; denn für Instrumente und Noten hatte jeder selbst aufzukommen. Nach mündlichen Überlieferungen fuhren die aktiven Vereinsangehörigen mit Pferdegespannen bis ins Hanauerland, um für einige Gulden und Kreuzer bei Hochzeiten und sonstigen Anlässen aufzuspielen. Der Erlös wurde redlich unter den Spielleuten geteilt und diente meist zur Bezahlung von Instrumentenreparaturen.

Einer im Archiv der Gemeinde Waldulm verwahrten Rechnung ist zu entnehmen, dass an-lässlich des am 30. August 1871 veranstalteten „Friedensfestes“ nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges für Mittagessen an neun Musiker 3 Gulden und 32 Kreuzer ausbezahlt wurden.

Ob der Betrag allerdings an die Waldulmer Kapelle ging, ist nicht vermerkt, kann jedoch auch nicht ausgeschlossen werden. Gemäß einer Protokollnotiz des Gemeinderates vom 3. März 1879 wurde bestimmt, dem „hiesigen Musikverein jährlich für Musizieren an kirchlichen Festtagen, sowie am Kaiserfest und Großherzogsgeburtstagsfest 20 M zu gewähren“. Für das Jahr 1879 wurde die Vergütung am 22. Dezember an den Vorstand Karl Huber ausbezahlt.

Im Folgejahr kam jedoch nur noch der halbe Betrag zur Auszahlung und zwar für den Einsatz an Fronleichnam und am Kirchenpatroziniumsfest. Vermutlich trat die Kapelle bei weltlichen Anlässen nicht auf, weshalb die Kürzung erfolgte. Eine weitere Vergütungszahlung von 6 Mark trägt das Datum vom 31. Dezember 1885 und damit wurde der Auftritt am Albinusfest abgegolten.

Bei der Grundsteinlegung zum Bau der neuen Kirche im April 1882 spielte die Musikgesellschaft Mösbach die Festmusik und erhielt dafür 20 Mark. Gar 70 Mark bekam die Musikkapelle Oberachern für ihre Darbietungen bei der Einweihung der Kirche am 23. und 24. April 1888 ausbezahlt. Daneben wurden die 13 Musiker aus dem Nachbardorf noch mit Speise und Trank versorgt, was weitere 32 Mark ausmachte. Eine wahrhaft fürstliche Entlohnung in jener Zeit, wenn man dagegenhält, dass damals der „erste“ Schullehrer im Ort dafür einen ganzen Monat arbeiten musste.

Erstmalige Erwähnung des Musikvereins Waldulm in den Gemeindeakten 1879

Dass diese Zurücksetzung den Waldulmer Musikern nicht „schmeckte“, steht außer Frage. So liegt die Vermutung nahe, dass es deswegen zwischen den Gemeindeoberen und der Vereinsführung zu Differenzen gekommen ist, was wohl zur Folge hatte, dass bis 1897 nur noch auswärtige Kapellen bei kirchlichen Festlichkeiten „angestellt“ wurden. 1889 leistete der Musikverein Kappelrodeck die Festmusik bei der Firmung und erhielt dafür 30 Mark. Dann war es nur noch die Musikkapelle Mösbach, die für ihre jährlichen Auftritte in Waldulm entlohnt wurde. Der Antrag, auswärtige Kapellen zu engagieren, ging teilweise vom örtlichen Veteranenverein aus. Das geht aus einem Schreiben an den Gemeinderat vom 18. Februar 1889 hervor, das da lautete: „Gesuch des Veteranenvereins Waldulm wegen Bestellung einer Musig auf das Patronsfest und Vergütung derselben betr. Wie bereits jedes Jahr geschehen ist, so wird auch jetzt wieder der Wunsch laut, Man möchte auf das Patroziniumsfest am 3. März d.J. auch wieder eine Musig und zwar mit etwa 9 Man bestellen. Dieselbe wirde dem Feste eine besondere Verschönerung geben, indem das Fest herrlicher gestaltet würde. Wir ersuchen daher den Gemeinderat hier, derselbe wolle behufs dieses Festes aus der Gemeindekasse 18 M zur Bestreitung für eine Musig bewillken, und am Feste der betreffenden Musig obigen Betrag der Gemeindekasse zur auszahlung gefälligst anzuweisen“. Die Vergütung und der Auslagenersatz wurde teilweise von den Wirten der Gaststätten „Linde“, „Kreuz“ und „Rebstock“ angefordert und machte für den letzten Auftritt der Mösbacher Kapelle im Jahre 1897 den Betrag von 53 Mark aus.

Nach dem Amtsantritt eines neuen Vorsitzenden im Jahre 1894 konnten offensichtlich nach einiger Zeit die Zwiespälte beigelegt werden. Diese bestanden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur zwischen der Waldulmer Kapelle und den Gemeindevertretern, sondern auch das Verhältnis zum Veteranenverein muss wohl gestört gewesen sein.

Jedenfalls fasste der Gemeinderat am 24. Januar 1898 den Beschluss, dass „der Musikverein Waldulm für Spielen am Kaisertag, Großherzogsgeburtstag, Kirchenpatronatsfest, Fronleichnam und Weißen Sonntag eine jährliche Vergütung von 70 M erhalten soll“.

Dieser Betrag wurde zur Hälfte auf kirchliche Feiern und zur Hälfte auf weltliche Feste verbucht. Der Zuschuss in dieser Höhe wurde in den Folgejahren regelmäßig bis einschließlich 1914 an den jeweiligen Vorsitzenden ausbezahlt. In den Kriegsjahren von 1915 bis 1918 kam dieses „Aversum“ nicht mehr zur Auszahlung, da, wie in dem Vortrag der Gemeinderechnung zu lesen ist, „keine Feste stattfanden“.

Von der Gründung im Jahre 1866 an besorgte Vorsitzender Karl Huber auch die musikalische Leitung der Kapelle. Unterstützt wurde er Mitte der 80er Jahre von Bernhard Bohnert, der während seiner aktiven Wehrdienstzeit eine Ausbildung als Militärmusiker erfahren hatte. Insbesondere unterwies Bohnert die Mitglieder des Waldulmer Blasorchesters in der Disziplin „Marschmusik“. Bei den Proben wurde der Buchwaldweg im Anschluss an die Blaubronn „laufend hin und her vermessen“, wie überliefert ist. Eine Episode, die dieser Mann während seines Aushilfsdienstes erlebte, soll hier wiedergegeben werden: Als er einmal einen aktiven Musiker der Kapelle besuchte, hatte dieser seinen „Päper“ auf dem Tisch liegen und schnitzte an einem Holzstück. Auf die Frage, was es damit auf sich habe, bekam er zur Antwort: „Das In-strument ginge einen halben Ton zu hoch und er wolle diesen Mangel mit einem Stopfen regulieren“. Die Zweifel des Co-Dirigenten am Erfolg dieses Unterfangens dürften wohl berechtigt gewesen sein.

Vereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Musikverein 1898

Nachdem Karl Huber den Posten des Vorsitzen-den und Dirigenten im Jahre 1894 – er war mittlerweile 54 Jahre alt geworden – aufgegeben hatte, übernahm der erst 22-jährige Joseph Schneider (Schmiedsepp) die Vereinsführung, die er bis 1911 ausübte. Während seiner Amts-zeit wirkten die Dirigenten Emil Hodapp (Kappelrodeck) von 1894 bis 1898, Hermann Traub (Mösbach) von 1898 bis 1905 und Franz Kirn (Kappelrodeck) von 1905 bis 1921. Wie noch von Nachfahren erzählt wird, fanden im Hause von Vorstand Schneider lange Zeit die Musik-proben statt. Anlässlich der Teilnahme an dem Musikfest in Kappelrodeck am 2. Juni 1907, zugleich Gautag des neugegründeten „Mittelba-dischen Musikverbandes“, erhielt der Musik-verein Waldulm einen Pokal, der von August Woerner, einem angesehenen und wohlhabenden Kappelrodecker Bürger (Brennereiunternehmer und Hoflieferant), gestiftet wurde.

Von 1912 bis 1920 stand Wendelin Huber (er war der Sohn des Gründungsinitiators) dem Verein vor. Die ersten Instrumente waren im Laufe der Jahre unbrauchbar geworden. So wurde auf Anregung des neuen Vorstandes beschlossen, in Straßburg Ersatz zu kaufen. Auch seinerzeit bezahlte noch jeder Aktive sein Instrument selbst. Da aber die Barmittel einiger Musiker nicht ausreichten, vereinbarte man Zahlungen in drei Raten. Die neu ausgerüstete Kapelle spielte öfters auswärts bei Hochzeiten, so im Ottenhöfener Ortsteil Unterwasser oder bei Prozessionen in Tiergarten und anderen Orten.

Jäh legte der Kriegsausbruch 1914 die aufblühende Vereinstätigkeit lahm. Als Bataillonsmusiker in Colmar konnte Wendelin Huber seine musikalischen Kenntnisse gut verwerten und erweitern. Leider forderte auch der erste Welt-krieg seine Opfer in den Reihen der Waldulmer Kapelle. Fünf treue Musikerkameraden kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Nach Kriegs-ende ging Vorstand Huber sofort daran, in seiner Stube Zöglinge heranzubilden, um die entstandenen Lücken aufzufüllen. Die Reaktivierung der Kapelle nach dem Kriege gelang relativ schnell, denn sonst hätte wohl nicht der Gemeinderat im November 1920 folgenden Beschluss gefasst:

„Der hiesige Musikverein soll aus der Gemeindekasse für seine Aufführungen bei öffentlichen Anlässen 1919 und 1920 eine einmalige Entschädigung von 300 Mark erhalten“. Danach wurde allerdings erst wieder im Jahre 1925 eine Vergütung von 100 Mark bewilligt, die bereits im Folgejahr auf 200 Mark aufgestockt wurde. Zu bedenken ist, dass dazwischen die Inflation lag.

Nach neunjähriger Vorstandschaft stellte Wendelin Huber dann 1920 sein Amt zur Verfügung, das der damals älteste Musiker Otto Jülg übernahm. Die Kapelle zählte anfangs der 20er Jahre durchschnittlich sieben bis acht Mann. Bei Verhinderung des einen oder anderen Musikers mussten zum Spielen Ersatzleute aus Nachbar-gemeinden geholt werden, um die Stimmen zu komplettieren. Das war aber auch umgekehrt der Fall. So ist belegt, dass hin und wieder von der Mösbacher Kapelle ein Flügelhornbläser aus Waldulm „ausgeliehen“ wurde und das schon vor der Jahrhundertwende.

Nach dem Wegzug von Dirigent Franz Kirn ein Jahr später nahm sich der damalige Ortsgeistliche Pfarrer Wilhelm Fichter um die Entwicklung der Musikkapelle an. Er, ein Mann voller Tatkraft, der sich als Gründungsinitiator der Waldulmer Winzergenossenschaft ein bleiben-des Denkmal gesetzt hat, verwandte auch große Energie in die Erneuerung der Blaskapelle seiner Betreuungsgemeinde. Sofort erkannte er den Missstand mit den privateigenen Instrumenten und erwarb alle käuflich für den Verein. Dabei scheute er sich nicht, selbst durch persönliche Haussammlungen die notwendigen Geldmittel aufzubringen. Was Wunder, dass die aktiven Musiker der resoluten Respektperson zunächst mit Skepsis begegneten. Man fürchtete um den bescheidenen Bestand der Kameradschaftskasse und glaubte, dass dieses Geld „zweckentfremdet“ würde. So wurde die Barschaft kurzerhand unter den Musikern verteilt. Das soll in einem „schwarzen Büchlein“ gestanden haben, das leider nicht mehr auffindbar ist.

Kapelle im Jahre 1920 - Von links: Wilhelm Huber, Josef Benz, Emil Hodapp, Rudolf Lamm, Ludwig Hodapp, Lorenz Panther, Otto Jülg und Otto Huber

Der erste öffentliche Auftritt der Kapelle unter der Dirigentschaft des Pfarrherrn erfolgte am Weihnachtsmorgen 1922, als die Mette durch weihnachtliche Weisen der Musiker umrahmt wurde. Zielbewusst bildete Pfarrer Fichter Nachwuchskräfte heran und besorgte zusätzliche Instrumente. So erlebte der Verein einen merklichen Aufschwung. Die Zahl der Aktiven stieg auf 15 Mann an. Im Jahre 1929 erklärte sich Josef Lang aus Kappelrodeck bereit, die musikalische Leitung der Kapelle zu übernehmen. Mit viel Mühe, Geduld und Ausdauer trieb der neue Dirigent die Aufbauarbeit voran. Das Jahr 1932 brachte als erste Frucht dieses intensiven Strebens einen I a Preis beim Wertungsspielen in Kappelrodeck. Zu diesem Anlass wurden neue Vereinsmützen gekauft, um auch optisch ein besseres Bild abzugeben. Dann konnte am 10. Oktober 1930 ein neues Vereinsstatut in Kraft gesetzt werden. Nach dieser Satzung hatten die passiven Mitglieder einen jährlichen Beitrag von 2,40 Mark zu zahlen.

Trotz der damaligen schlechten Wirtschaftslage entfaltete die Musikkapelle ein reges Vereinsleben. Im Spätherbst 1932 gelang es erstmals, ein großes Gartenfest ins Woernersgarten abzuhalten. An dem Festzug beteiligten sich mehrere auswärtige Musikapellen sowie der Waldulmer Gesangverein und der Militärverein. Mitgeführt wurden auch Festwagen. Die Festrede hielt Pfarrer Fichter. Es war wohl der letzte öffentliche Auftritt des verdienten Mannes bei einer weltlichen Feier, denn nur ein halbes Jahr später setzte der Tod seinem unermüdlichen Wirken ein Ende.

Zwischenzeitlich hatte August Huber den langjährigen Vorstand Otto Jülg in der Vereinsführung abgelöst. Mit Steinbruchbesitzer Hermann Ossola, einem großen Gönner und eifrigen Förderer der Blasmusik, nahm im Januar 1934 erstmals ein passives Mitglied die Geschicke des Vereins in die Hand. Im Rahmen eines Geburtstagsständchens wurde ihm wenige Monate später für seine Verdienste das Diplom der Ehrenmitgliedschaft überreicht.

Musikverein Waldulm im Jahre 1936 - Hintere Reihe von links: Alfred Larghi, Gottfried Lamm, Otto Jülg, Hermann Ossola, Josef Lang, Bernhard Hoog, Hermann Hoog und Lorenz Panther - Vordere Reihe von links: Siegfried Fischer, August Huber, August Hoog, Karl Fischer, Ewald Schneider, Rudolf Hund und Eugen Jülg - Vorne liegend: Hermann Hillbrecht und Heiner Hillbrecht

Unter seiner Vorstandschaft erhielt die Musikkapelle Uniformen, die erstmals am Weißen Sonntag 1935 getragen wurden.

Dem Verein blieben aber auch Rückschläge nicht erspart. So brachte vor allem das Jahr 1936 einige kritische Situationen. Mit einer einzigen Stimme Mehrheit entschieden sich die aktiven Musiker in einer Abstimmung für den Fortbestand der Blaskapelle. Dabei hatten sich noch zwei Mitglieder der Stimme enthalten. Ausgelöst wurde die Misere durch die Abdankung des ersten Vorsitzenden, doch gelang es dem zweiten Vorstand, Otto Jülg, den Verein zusammen zu halten. Nach Überwindung der Krisenzeit übernahm Ewald Schneider kurz nach Beginn des Jahres 1937 das Amt des Vorsitzenden. Als „Einstand“ organisierte er erstmals nach dem Kriege eine Fasnachtsveranstaltung mit Umzug durch den Ort.

Im Hochsommer des gleichen Jahres feierte die Musikkapelle ihr 70-jähriges Stiftungsfest, das zu einem bedeutenden Höhepunkt in der Vereinsgeschichte wurde. Im Mittelpunkt des Festbanketts stand die Ehrung verdienter aktiver und passiver Mitglieder. An dem Festzug beteiligten sich 13 auswärtige Kapellen (für die damalige Zeit ungewöhnlich viel), die sich am Schluss zu einem Massenchor vereinigten.

Im Juni 1937 fasste die Vereinsführung auch den Beschluss, eine Tracht anzuschaffen, was umgehend in die Tat umgesetzt werden konnte. Ein Jahr später erfolgte die Vervollständigung durch ein Kamisol (kurze Ärmeljacke).

Nach der Neuwahl der Gesamtvorstandschaft im Jahre 1938, bei der wiederum Ewald Schneider an die Spitze berufen wurde, mussten sich die aktiven Musiker durch Unterschrift verpflichten, dass sie in den nächsten drei Jahren „treu zur Musik stehen“. Die Vorstandsmitglieder ihrerseits beurkundeten ebenfalls mit ihrem Namenszug, das übernommene Amt auf die Dauer von drei Jahren auszuüben.

Das Protokoll der Generalversammlung vom 13. Januar 1940 vermerkt als besonderes Ereignis „und bis jetzt einmalig in dem Verein“ die Ernennung von Otto Jülg als Ehrenmitglied, der sich „aufgrund seiner 30-jährigen aktiven Zugehörigkeit große Verdienste erworben habe“. Ferner wurde die Anregung aufgenommen, „auch während des Krieges nach Möglichkeit die Musik auf Spielfähigkeit zu erhalten, so gut es die Umstände erlauben“.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass nach Übernahme der Macht durch das NS-Regime 1933 auch der Musikverein Waldulm die „Gefolgschaft“ nicht verweigern konnte. So musste an den „nationalen Feiertagen“, bei der Veranstaltung von „Deutschen Abenden“ und sonstigen Anlässen gespielt werden. Obligatorisch war auch die „Propagandamusik“ an den Wahltagen bzw. bei Volksabstimmungen. Nicht verweigert wurde dem Verein jedoch, auch bei kirchlichen Festen wie „Weißer Sonntag“, „Albinusfest“, „Fronleichnam“ oder dem „Erntedankfest“ mitzuwirken. Jedenfalls ist aus den vorhandenen Unterlagen nicht ersichtlich, dass es deswegen besondere Schwierigkeiten gegeben hat, wie das scheinbar andernorts der Fall war. Zu nennen auch die fast alljährliche Abhaltung von Garten- und Waldfesten durch die Kapelle sowie die immer wiederkehrenden Feiern in der Weihnachtszeit und das „Wecken“ am 1. Mai.

Zu einem völligen Stillstand des Vereinslebens infolge der Kriegswirren kam es von Februar 1940 bis Frühjahr 1946, da fast alle Musiker nach und nach eingezogen wurden. Leider mussten vier der besten Musikerkameraden bei diesem unseligen Völkerringen ihr Leben lassen, denen die Trachtenkapelle ein ehrendes Andenken bewahrt hat. Es waren dies die Aktiven Alfred Larghi, Theodor Hund, Leo Jülg und Hermann Hund.

Hintere Reihe von links: Rudolf Hund, Bernhard Hoog, Siegfried Fischer, Fridolin Hund, Josef Jülg, Otto Jülg, Josef Lang, Leo Jülg, Alfred Larghi und Gottfried Lamm - Vordere Reihe von links: Karl Fischer, August Hoog, Lorenz Panther, Heiner Hillbrecht, Hermann Hillbrecht, August Huber, Ewald Schneider und Theodor Hund